February 7, 2014

wahlversprechen2013.de

Hier war es einige Wochen sehr ruhig und endlich kann ich den Grund dafür vorstellen. Gemeinsam mit Jan Falk und Henning Brinkmann habe ich das Projekt wahlversprechen2013.de aufgebaut, eine Webseite, auf der alle Wahlversprechen der Regierungsparteien und alle Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag übersichtlich aufgelistet sind.

Ja, das heißt wir haben alle Wahlprogramme und den Koalitionsvertrag gelesen und alle Vorhaben und Versprechungen rausgeschmissen, die so unpräzise waren, dass sie gar nicht nicht erfüllt werden können.

Für jedes Wahlversprechen gibt es eine eigene Seite, auf der das genaue Zitat nachgelesen werden kann, auf der nachvollzogen werden kann, ob es im CDU und/oder SPD Wahlprogramm steht und ob es auch im Koalitionsvertrag vorkommt.

Jedes Wahlversprechen wird von uns im Laufe der Legislaturperiode so objektiv wie menschenmöglich bewertet: Ist es erfüllt worden oder nicht. Zu jedem Wahlversprechen werden wir dazu — wie teilweise schon geschehen — in kurzen redaktionellen Texten erklären, wie der aktuelle Stand ist und warum das Wahlversprechen von uns eine Bewertung bekommen hat.

Wir werden auf die Gesetze verlinken, mit denen ein Wahlversprechen umgesetzt wurde, wir werden die Statistiken verlinken, denen zufolge ein Wahlversprechen als gescheitert angesehen werden muss.

Für all das sind wir auf die Mithilfe der interessierten Öffentlichkeit angewiesen. Aktuell lässt sich jedes einzelne Wahlversprechen (auch anonym) von jedem kommentieren. Wir würden uns wünschen, dass sich viele interessierte Nutzer finden, die uns in den Kommentaren bei der Recherche unterstützen.

Wo finden wir die Informationen, um ein Wahlversprechen bewerten zu können? Ist es Wahlversprechen eurer Meinung nach zu schwammig? Haben wir sogar eins vergessen?

Vor allem sind wir auf eins angewiesen:
Teilt den Link mit allen euren Bekannten & Freunden.

PS: Details zum Projekt gibt es unter blog.wahlversprechen2013.de
PPS: Auch technisch Interessierte sind herzlich willkommen, mich bei der Entwicklung zu unterstützen. Mehr Informationen dazu gibt es im Artikel Tracking Election Promises with Scala and Play

November 22, 2013
Erst waren Biohühner besonders bakterienbelastet ...

und jetzt enthält Holzspielzeug auch noch viele Schadstoffe!

Fehlt nur noch, dass Biomais Gene enthält und pflanzliche Heilkräuter Chemie.

November 19, 2013
Tom Tykwer Plans Drama Series That Could Change German TV

Let’s hope it does. It can only get better.

November 19, 2013

Wer ganz genau wissen will, wie Watson funktioniert: Vortrag von Michael Perrone vom IBM T.J. Watson Research Center auf der USENIX Conference 2011.

Abstract:

"The TV quiz show Jeopardy! is famous for giving contestants answers to which they must supply the correct questions. Contestants must be fast, with an almost encyclopedic knowledge of the world and the ability to figure out clues that are vague, involve double meanings, and frequently rely on puns. Early this year, Jeopardy! aired a match involving the two all-time most successful Jeopardy! contestants and Watson, an artificial intelligence system designed by IBM. Watson won the Jeopardy! match by a wide margin. In doing so, it brought the leading edge of computer technology a little closer to human abilities. This presentation will describe the supercomputer implementation of Watson used for the Jeopardy! match and the challenges that had to be overcome to create a computer capable of accurately answering open-ended, natural-language questions in real time—typically in under 3 seconds."

November 19, 2013
Wir leben in der Zukunft: IBM gibt Entwicklern Zugang zu Watson

Spiegel Online und alle anderen Medien haben vor einigen Tagen gemeldet, dass IBM Entwicklern Zugang zum Watson System geben will. Watson ist die Maschine bzw die Software die vor zwei Jahren Jeopardy gewonnen hat, die amerikanische Quizshow, die auch hierzulande lief, bei der die Fragen als Antworten formuliert sind, beispielsweise

Dieser Krieg endete in einem Eisenbahnwaggon im französischen Compiègne.

Die richtige Antwort lautet: Was ist der erste Weltkrieg. Auch über diesen Erfolg schrieb Spiegel Online eine Zusammenfassung.

Watson ist ein großer Wurf, weil es ein System ist, dass Menschen in einem Spiel geschlagen hat, dass ausschließlich auf dem Verständnis natürlicher Sprache beruht und dass ein hohes Maß an Wissen über Geschichte, Wissenschaft, Sport bis hin zu Popkultur verlangt. Watson war im Prinzip in der Lage, sich die gesamte Wikipedia anzueignen, aus der Frage Hinweise zu distillieren, daraus Hypothesen über die richtige Antwort zu formen, diese Hypothesen anhand seiner Wissensbasis zu testen, bis es die wahrscheinlichste Antwort identifiziert hatte. Und das in Millisekunden.

Die Entwicklung Watsons allein ist eine erstaunliche Leistung, die — wie immer — vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte. Dass hunderte oder tausende Entwickler Zugang zu Watsons Fähigkeiten bekommen, ist aufregend.

Die New York Times, immer etwas tiefgründiger als Spiegel Online, kann das mit Zahlen belegen:

"Watson is prominent, but similar projects are being run by other companies. On Tuesday, a company appearing at the Amazon conference said it had run in 18 hours a project on Amazon’s cloud of computer servers that would have taken 264 years on a single server."

"The project, related to finding better materials for solar panels, cost $33,000, compared with an estimated $68 million to build and run a similar computer just a few years ago."

68 Millionen $ sind hier nur die Kosten des Supercomputers, auf den man gegen stunden- oder minutenweise Abrechnung Zugang bekommen kann. Die Entwicklungskosten für Watson insgesamt dürften 68 Mio $ deutlich übersteigen.

Einen guten Überblick über die Bedeutung Watsons und über seine Funktionsweise gibt Raul Rojas, Professor für Künstliche Intelligenz an der FU Berlin, auf Telepolis.

November 18, 2013
Die Perversen Folgen des Verbots von Kinderarbeit

Aus der Abteilung "Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert":

Bharadwaj et al haben die Effekte des Verbots von Kinderarbeit 1986 untersucht. In "The Perverse Consequences of India’s Child Labor Ban (PDF) berichten sie, das Verbot habe mehr Kinder zur Arbeit gezwungen, weil das Verbot ihre Löhne gesenkt habe. Mehr Kinderarbeit habe gleichzeitig bedeutet, das diese Kinder weniger Zeit in der Schule verbringen konnten. Auf der Ebene der Familienhaushalte sanken die Konsumausgaben, die Kalorienzufuhr und das Haushaltsvermögen.

Hier eine längere Diskussion der Initiative gegen Kinderarbeit

November 18, 2013
Undurchsichtig & folgenreich: Das deutsche Wahlrecht

Für diejenigen, die sich _ganz genau_ erklären lassen wollen, wie die Anzahl der Abgeordneten im Deutschen Bundestag bestimmt wird. 

November 18, 2013
Nationales Wahlrecht für alle EU Bürger

Die Europäische Union ist ein seltsames Zwitterwesen zwischen einer Union souveräner Nationalstaaten und einem europäischen Bundesstaat. Ein besonders absurdes Beispiel dafür: Das europäische Wahlrecht.

Jeder EU Bürger bestimmt unabhängig von seinem Wohnort die Zusammensetzung des EU Parlaments. Zwar nicht in gleichen Wahlen, aber darum geht es jetzt hier nicht.

Jeder Bürger hat auch an seinem Wohnort das Recht an den Kommunalwahlen teilzunehmen, das aus der Unionsbürgerschaft folgt

Aber dazwischen klafft eine kleine Lücke. Unionsbürger haben in Deutschland nicht das Recht, an den Bundes- oder Landtagswahlen teilzunehmen. Gleichzeitig haben bspw dauerhaft im Ausland lebende Briten oder Griechen in ihren Heimatländern kein nationales Wahlrecht. Als Arbeitnehmer und Arbeitgeber und natürlich v.a. als Steuerzahler sind die EU Bürger dank der europäischen Freizügigkeit natürlich gern gesehen.

Ich halte diese Situation für ein antiquiertes Relikt, die sich selbst durch Staatsbürgern auferlegte Pflichten wie die Wehrpflicht nur schlecht rechtfertigen ließ. Schließlich haben sich auch alle NATO Länder zur gemeinsamen Verteidigung verpflichtet.

Der europäische Föderalist berichtet auf seinem (lesenswerten und sachkundigen) Blog von einer neuen Verfassungsinitiative einiger EU Parlamentarier, die genau das unter anderem fordert:

"Ein weiteres Novum ist schließlich die Ausweitung der Unionsbürgerrechte: Nach Art. 262 GGEU soll sich künftig jeder Europäer unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft nicht nur an kommunalen und europäischen, sondern auch an nationalen Wahlen an seinem Wohnort beteiligen können. "

Dank des Föderalisten weiß ich jetzt, dass Uruguay und Neuseeland genau diese Art des Wahlrechts für alle Einwohner sogar haben. Zwar haben Bürger aller EU Staaten jederzeit die Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft eines anderes EU Staates anzunehmen, aber wenn man es mit der Freizügigkeit ernst meint, kann das kaum ein ernstzunehmender Vorschlag sein.

Bei den anstehenden Europawahlen, die für die FDP von großer Bedeutung sind, sollten sich die Liberalen die Forderung nach nationalen Wahlrechten für alle EU Bürger zu eigen machen — genauso natürlich wie die Forderung nach einem gleichen Wahlrecht, in der die Stimme jedes Bürgers gleich viel wert ist.

Der Zyniker kann hier anmerken, dass diese Forderung symbolisch stark ist, aber nur wenig konkrete Handlungsanweisungen aus ihr folgen, da bisher Änderungen an den EU Verträgen von den Regierungen der Nationalstaaten beschlossen werden, nicht von den EU Parlamentariern.

November 16, 2013
Hat die Pest Europa reich gemacht?

Dieser Artikel hat alles, was interessante Wochenendlektüre haben muss. Geschichte, Statistik, Ökonomie und kontraintuitive Schlussfolgerungen:

"As it turns out, medieval and early modern European and Asian nations were much more literate and numerate than is often thought. They left behind a wealth of data in documents such as government accounts, customs accounts, poll tax returns, Parish registers, city records, trading company records, hospital and educational establishment records, manorial accounts, probate inventories, farm accounts, tithe files. With a national accounting framework and careful cross-checking, it is possible to reconstruct population and GDP back to the medieval period. The picture that emerges is of reversals of fortune within both Europe and Asia, as well as between the two continents."

Via @TheBrowser

November 16, 2013
Was ich an der Mindestlohndebatte nicht verstehe (wonkish)

zopolan:

Staatliche Lohneingriffe sind aus Sicht der VWL keinesfalls immer wohlfahrtsreduzierend.

Ein gängiges Argument für staatliche Lohnfestsetzungen (oder -untergrenzen) sind monopsonistische Arbeitsmarktverhältnisse. Das heißt, es gibt eine große Firma, die auf einem bestimmten Arbeitsmarkt der…

Exzellente Fragen zum Mindestlohn und genau die Art von sachlich fundierter Analyse politischer Vorhaben, die den deutschen Blogs bisher fehlt.


URL: http://tmblr.co/Zy2O1w_YNnmi   |   (View comments
Filed under: Mindestlohn 
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